spezielle Musikinstrumente aus aller Welt
Musik
1. Die Wurzeln: Woher kommt es?
Instrumente aus Holz oder Rinde, die nach dem Prinzip des Alphorns funktionieren (Blasinstrumente ohne Grifflöcher), gab es historisch gesehen in fast allen bergigen oder waldreichen Regionen der Welt – von den Karpaten bis nach Südamerika.
Die spezifische Form des Alphorns, wie wir es heute kennen, ist jedoch tief im Alpenraum verwurzelt.
- Erste schriftliche Erwähnung: Das Alphorn wurde in der Schweiz erstmals im Jahr 1527 offiziell dokumentiert. In einem Rechnungsbuch des Klosters St. Urban findet sich ein Eintrag über zwei Batzen „für einen Walliser mit einem Alphorn“.
- Die Ur-Form: Ursprünglich schnitzten Hirten das Instrument aus einem einzigen Stück Holz – meist aus einer Fichte, die am Steilhang gewachsen war und daher am Fuss eine natürliche Krümmung aufwies.
2. Die ursprüngliche Funktion: Kein Musikinstrument, sondern Werkzeug
Das Alphorn war jahrhundertelang kein Instrument für Konzerte, sondern ein reines Gebrauchswerkzeug der Sennen (Hirten). Es erfüllte zwei Hauptaufgaben:
- Kommunikation: Der tiefe, weittragende Klang (unter guten Bedingungen bis zu 10 Kilometer weit hörbar) diente dazu, Nachrichten von Alp zu Alp oder hinunter ins Tal zu übermitteln.
- Vieh-Beruhigung: Das Alphornblasen am Abend, oft kombiniert mit dem Betruf (einem gesungenen Segen), sollte die Kühe beruhigen und für den Melkvorgang sammeln.
3. Der Fast-Untergang und die Rettung
Mit den gesellschaftlichen Veränderungen im 18. Jahrhundert geriet das Alphorn in der Schweiz fast vollständig in Vergessenheit. Die Käseproduktion verlagerte sich zunehmend von den Alpen in die Talkäsereien, und die Hirtenkultur verarmte. Das Alphorn wurde zeitweise nur noch von Bettlern in den Städten gespielt.
Die Rettung kam durch die Romantik und den beginnenden Tourismus im 19. Jahrhundert:
- Das Unspunnenfest 1805: Um die Schweizer Traditionen wiederzubeleben, wurde 1805 bei Interlaken das erste Unspunnenfest organisiert. Dort wurde auch ein Alphorn-Wettbewerb ausgetragen – allerdings gab es kaum noch Spieler.
- Die Wiederbelebung: Der Berner Schultheiss Niklaus von Mülinen liess daraufhin Alphörner bauen und verteilte sie an talentierte Musiker, die das Spielen im Berner Oberland wieder erlernen und lehren sollten.Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wandelte sich das Image des Alphorns komplett. Aus dem rauen Werkzeug der Bergbauern wurde ein romantisiertes Symbol für Heimat, Freiheit und die Schweizer Berge.Heute ist das Alphorn fest in der Schweizer Kultur verankert, wird in Musikschulen unterrichtet und verbindet traditionelle Naturtöne mit moderner Musik (von Jazz bis Klassik).
4. Vom Hirtenwerkzeug zum Nationalsymbol
Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wandelte sich das Image des Alphorns komplett. Aus dem rauen Werkzeug der Bergbauern wurde ein romantisiertes Symbol für Heimat, Freiheit und die Schweizer Berge.
Heute ist das Alphorn fest in der Schweizer Kultur verankert, wird in Musikschulen unterrichtet und verbindet traditionelle Naturtöne mit moderner Musik (von Jazz bis Klassik).
Das Hackbrett ist ein faszinierendes Saiteninstrument, das eine Brücke zwischen Saiten- und Schlaginstrumenten schlägt. Es gehört zur Familie der Zithern, wird aber nicht mit den Fingern gezupft, sondern mit zwei speziellen Schlägeln (den sogenannten Klöppeln oder Ruten) geschlagen.
Es hat einen unverkennbaren, hellen, silbrigen Klang mit einem langen Nachhall, da das Instrument in seiner Urform keine Dämpfer besitzt. Das Hackbrett gilt zudem als direkter historischer Vorläufer des Klaviers (wo ebenfalls Hämmerchen auf Saiten schlagen).
Der Aufbau des Instruments
Ein Hackbrett besteht im Wesentlichen aus einem flachen, meist trapezförmigen Holzgehäuse, das als Resonanzkörper dient.
- Die Saiten: Über das Brett sind zahlreiche Metallsaiten gespannt.
- Das Besondere: Die Saiten sind meistens "chörig" bezogen. Das bedeutet, dass pro Ton nicht nur eine, sondern bis zu fünf Saiten haarscharf nebeneinander verlaufen und exakt gleich gestimmt sind. Das verstärkt den Klang enorm.
- Die Stege: Die Saiten verlaufen über hölzerne Stege. Diese teilen die Saiten oft im mathematischen Verhältnis auf (z. B. im Verhältnis 2:3), sodass eine einzige Saite links und rechts des Stegs zwei unterschiedliche Töne erzeugt.
- Die Klöppel: Gespielt wird mit zwei leichten Holzschlägeln. Die Köpfe der Klöppel können nackt sein (für einen sehr hellen, metallischen Klang) oder mit Leder oder Filz überzogen werden (für einen weicheren, wärmeren Ton).
Das präzise Spielen erfordert eine enorme Treffsicherheit und Orientierung. Da die Saiten sehr eng beieinanderliegen und man beim schnellen Spielen quasi "blind" den richtigen Chor treffen muss, gilt das Hackbrett als eines der am schwersten zu meisternden Volksmusikinstrumente.
Das Hackbrett in der Schweiz
Während das Instrument weltweit in verschiedenen Formen existiert (z. B. als Cimbalom in Osteuropa oder Yangqin in China), hat es in der Schweiz – und dort ganz besonders im Appenzellerland und im Wallis – eine tiefe, lebendige Tradition.
In der Schweiz unterscheidet man vor allem zwei Hauptformen:
TypMerkmale & BesonderheitenAppenzeller Hackbret
Sehr chromatisch aufgebaut. Die Saiten sind meist in 5er-Chören gestimmt. Es ist fester Bestandteil der original Appenzeller Streichmusik (zusammen mit Violine, Cello und Kontrabass).
Walliser Hackbrett
Oft etwas kleiner und meist diatonisch (auf bestimmte Tonarten) aufgebaut. Es wird traditionell oft solo oder in kleineren Oberwalliser Volksmusikformationen gespielt.
Das Schwyzerörgeli (auch einfach Örgeli genannt) ist ein traditionsreiches Schweizer Musikinstrument und das Herzstück der hiesigen Volksmusik (Ländlermusik). Es gehört zur Familie der Harmonikainstrumente (Handorgeln), hat aber eine ganz eigene Bau- und Funktionsweise, die es von einem gewöhnlichen Akkordeon unterscheidet.
Was macht das Schwyzerörgeli so besonders?
- Wechseltönigkeit: Auf der rechten Seite (der Melodieseite) ist das Instrument wechseltönig. Das bedeutet: Wenn du einen Knopf drückst und den Balg auseinanderziehst, erklingt ein anderer Ton, als wenn du denselben Knopf drückst und den Balg zusammenschiebst.
- Gleichtöniger Bass: Die linke Seite (die Bassseite) hingegen ist gleichtönig aufgebaut. Egal ob du den Balg ziehst oder drückst, der Bass- oder Begleitakkord bleibt gleich. Das macht die Koordination beim Spielen zu einer faszinierenden Herausforderung.
- Der typische Klang: Der unverwechselbare, leicht schwebende und warme Sound entsteht durch die spezielle Bauweise des Holzgehäuses und die Anordnung der inneren Stimmzungen.
- Handwerkskunst: Traditionelle Örgeli besitzen oft wunderschöne Gehäuse aus edlem Holz, Intarsien (Holzeinlagen) und kunstvolle Balg-Dekorationen.
Der typische Aufbau
Die meisten modernen Schwyzerörgeli folgen dem sogenannten "Schwyzer System" (oft im B-Es-As- oder C-F-B-Satz gestimmt):
- Melodieseite (rechts) Meist 31 Knöpfe, angeordnet in drei Reihen.
- Bassseite (links) Typischerweise 18 Bassknöpfe für die rhythmische Begleitung.
- Gehäuse Traditionell kompakt und komplett aus Holz gefertigt, um den charakteristischen Klangkörper zu bilden.
Das Instrument entwickelte sich im späten 19. Jahrhundert in der Schweiz aus der importierten Wiener Handharmonika. Als Urvater des heutigen Schwyzerörgelis gilt der Instrumentenbauer Robert Iten aus Pfäffikon, der um 1880 die ersten Modelle baute. Perfektioniert wurde das System kurz darauf von Alois Eichhorn aus Schwyz – nach dessen Werkstatt das Instrument schließlich auch benannt wurde.
Bassseite (links)
Auf der Bassseite gibt es beim Schwyzerörgeli so gut wie nie Register. Der Bass ist traditionell sehr tief und kräftig („jodelnd“) gestimmt und klingt immer in seiner fest vorgegebenen Chörigkeit (meistens 4- oder 5-chörig), um das Fundament für die Melodie zu bilden.
Die Stimmung dieser Bass-Chöre basiert auf dem Oktav-Prinzip, wobei Grundbässe und Akkordbässe unterschiedlich aufgebaut sind:
1. Chor: Ganz tiefer Bass (Kontrabass-Lage)
2. Chor: Tiefer Bass (Grundbass-Lage, eine Oktave höher)
3. Chor: Tenor-Lage (wieder eine Oktave höher)
4. Chor: Alt-Lage
5. Chor: Sopran-Lage (höchste Oktave)
Zusammenfassung: Wenn du ein Schwyzerörgeli kaufst oder spielst, ist es standardmässig ein Instrument ohne Register mit einem festen, wunderschönen Schwebeklang.
Suchst du maximale Flexibilität für verschiedene Musikstile (von Klassik über Jazz bis Ländler), lohnt sich der Blick auf ein moderneres Wechselorgeli mit mechanischen Registern.
Zwischen dem Schwyzerörgeli und einem normalen (chromatischen) Akkordeon fundamentale Unterschiede. Sie betreffen die Spielweise, den Klang und den inneren Aufbau.
1. Wechseltönig vs. Gleichtönig (Das Spielprinzip)
Das ist der technisch größte Unterschied, der das Schwyzerörgeli für Einsteiger oft so faszinierend (und knifflig) macht:
- Das Schwyzerörgeli ist wechseltönig (auf der Melodieseite): Drückst du einen Knopf und ziehst den Balg, hörst du einen anderen Ton, als wenn du denselben Knopf drückst und den Balg schiebst. Du brauchst also für zwei unterschiedliche Töne oft nur einen einzigen Finger. Die Bassseite hingegen ist gleichtönig (ZUG und DRUCK erzeugen denselben Bass).
- Das normale Akkordeon ist komplett gleichtönig: Egal ob Piano- oder Knopfakkordeon – ein Tastendruck erzeugt beim Ziehen und Schieben des Balgs immer exakt denselben Ton.
2. Die Tastatur und das Griffsystem
Die Optik und die Anordnung der Knöpfe unterscheiden sich radikal:
- Das Akkordeon besitzt auf der rechten Seite entweder eine Klaviertastatur (Piano-Akkordeon) oder ein chromatisches Knopfsystem, das in Halbtönen logisch aufgebaut ist. Damit kannst du problemlos in jeder beliebigen Tonart spielen.
- Das Schwyzerörgeli hat ein diatonisches Grundsystem (meist drei Knopfreihen auf der rechten Seite). Es ist von Haus aus auf bestimmte Tonarten festgelegt (meistens B-Es-As). Zwar kann man auf modernen Örgeli durch Hilfsknöpfe fast alle Halbtöne spielen, aber das Griffmuster ist komplett anders und stark auf die traditionelle Volksmusik optimiert.
3. Klangcharakter und Bauweise
Der "Örgeli-Sound" ist einzigartig und lässt sich sofort heraushören.
- Der Klang: Das Schwyzerörgeli klingt extrem warm, holzig und hat ein ganz feines, charmantes "Schwebeschwellen" (Tremolo). Das normale Akkordeon klingt meistens glatter, oft lauter und besitzt oft verschiedene Register (Schalter), mit denen man den Klang von tiefen Bass- bis zu hohen Flötentönen verändern kann. Das Schwyzerörgeli hat in der Regel keine Register – sein Klang ist fix.
- Das Gehäuse: Das Schwyzerörgeli ist im Vergleich zum Akkordeon sehr kompakt, deutlich leichter und besteht fast vollständig aus Holz. Akkordeons nutzen oft Kunststoffe (wie Celluloid) für das Gehäuse und sind durch die verbaute Mechanik meist deutlich schwerer.
Neben dem Klassischen Schwyzerörgeli gibt es seit einiger Zeit auch das sogenannte Wechselörgeli
Moderne Schwyzerörgeli mit Registern („Wechselorgeli“)
In den letzten Jahrzehnten haben Instrumentenbauer (wie z.B. Eichhorn, Ott, Reist oder Zürcher) moderne Varianten entwickelt, um den Musikern mehr Flexibilität zu bieten. Diese werden oft Register-Örgeli oder Wechselorgeli genannt.
Diese Modelle besitzen meistens auf der Rückseite des Gehäuses (im Griffboden) oder verdeckt eingebaute Registerschalter. Damit lassen sich einzelne Chöre zu- oder abschalten.
Typische Register-Kombinationen bei modernen Örgeli:
Register
> 3-chörig (Standard) Voll, kräftig, schwebend für klassische Ländlermusik (Innerschwyzer Stil)
> 2-chörig (mit Schwebung) Heller, etwas flacher, erinnert an französische Musette, für Volkstümliche Schlager, Oberkrainer-Stil.
> 1-chörig (nur Grundton) Sehr klar, trocken, für sanfte Begleitmusik, Jazz, moderne Volksmusik, Kirchenmusik.
> 1-chörig (nur Oktav/Tiefer Chor) Dunkel, melancholisch, tief. Spezielle Klangfarben, zeitgenössische Musik.
Das Talerschwingen: Musik aus der Milchschüssel
Beim Talerschwingen wird ein einfacher Haushaltsgegenstand in ein hocheffektives Musikinstrument verwandelt.
- Das Instrument: Man benötigt eine irdene (tönerne) Milchschüssel – das sogenannte Becken –, die innen glasiert ist. Als "Schlägel" oder Klangkörper dient ein Fünfliber (das Schweizer 5-Franken-Stück).
- Die Technik: Die Schüssel wird auf den Handflächen gehalten und mit sanften, kreisenden Bewegungen aus dem Handgelenk in Schwingung versetzt. Die Münze rollt dadurch am inneren Rand der Schüssel entlang.
- Der Klang: Es entsteht ein singender, hoher, fast sphärischer Ton, der an ein helles Glockenspiel oder Glasharmonika-Klänge erinnert. Je nachdem, wie schnell man die Schüssel bewegt oder wo die Münze läuft, verändert sich die Tonhöhe leicht.
In der Regel treten drei Talerschwinger gemeinsam auf. Da jede Schüssel und jede Bewegung minimal anders ist, entsteht ein dreistimmiger, schwebender Akkord, der den Rhythmus für den Gesang vorgibt.
Die Trechel (oder Trychel)
Während das Talerschwingen für die feinen, hohen Töne sorgt, bringt die Trechel das tiefe, erdige Fundament in die Musik.
- Der Unterschied zur gegossenen Glocke: Eine Trechel wird im Gegensatz zu einer Kirchen- oder normalen Kuhglocke nicht gegossen. Sie wird aus Stahl- oder Eisenblech in Form gebannt und zusammengeschweisst oder -genietet.
- Der Klang: Durch das Blech klingt eine Trechel viel scheppernder, dumpfer und weniger langanhaltend als eine gegossene Glocke. Sie hat jedoch eine enorme Tragweite, was in den Bergen wichtig war, um das Vieh zu orten.
- Der Einsatz: In der Volksmusik werden meist sehr grosse Trecheln verwendet, die man an breiten Lederriemen trägt. Die Musiker bewegen die Trecheln im Takt des Jodels rhythmisch hin und her, um einen dumpfen, feierlichen Basstakt zu erzeugen.
Das Zusammenspiel: Begleitung zum "Zäuerli"
Das Talerschwingen und das Trecheln werden selten als reine Solostücke aufgeführt. Sie bilden die perfekte Kulisse für das Zäuerli (den traditionellen Appenzeller Naturjodel).
Ein typischer Ablauf sieht so aus:
- Die Talerschwinger beginnen mit ihrer rollenden Dreiklang-Harmonie.
- Die Trecheln steigen mit einem langsamen, schweren Rhythmus ein.
- Der Jodelchor setzt ein: Ein Vorsänger stimmt die Melodie an, die anderen Chormitglieder improvisieren die Begleitstimmen (den "Gradbeiz").
Ursprung: Ursprünglich war das Talerschwingen ein Zeitvertreib der Sennen auf den Alpen während der langen Sommerate. Man nahm, was da war: die Schüssel, in der sonst der Rahm von der Milch getrennt wurde, und das Geld aus der Hosentasche. Heute ist es ein feierlicher Höhepunkt an Festen wie der "Alpabfahrt" (wenn das Vieh im Herbst ins Tal zurückkehrt) oder an Silvesterclausen-Umzügen.
Cabrette > aus Frankreich
Die Cabrette (okzitanisch: chabreta, wörtlich „kleine Ziege“) ist ein traditionelles französisches Sackpfeifeninstrument. Sie ist das Herzstück der traditionellen Volksmusik der Region Auvergne und des Zentralmassivs.
1. Herkunft und Geschichte
Die Cabrette hat eine faszinierende Wanderungsgeschichte hinter sich, die eng mit der sozialen Entwicklung Frankreichs im 19. Jahrhundert verknüpft ist.
- Der Name: Der Name leitet sich vom okzitanischen Wort für Ziege ab, da der Windsack des Instruments traditionell aus Ziegenhaut gefertigt wird.
- Die Pariser Verbindung: Obwohl das Instrument seine Wurzeln in den ländlichen Regionen der Auvergne hat, entwickelte sich die moderne Cabrette im Paris des 19. Jahrhunderts. Viele Auvergnaten wanderten auf der Suche nach Arbeit in die Hauptstadt aus (oft als Kohlenhändler oder Wirte). Sie brachten ihre Musik mit und gründeten die berühmten Bals Musette (Tanzlokale).
- Vom Mund- zum Blasebalg-Antrieb: In Paris wurde das Instrument im Laufe des 19. Jahrhunderts modifiziert. Um das Kondenswasser im Sack zu vermeiden und das Singen während des Spielens zu ermöglichen, wurde das Mundausfblasrohr durch einen Blasebalg ersetzt, der unter dem rechten Arm getragen wird.
- Das Akkordeon-Duo: Um 1880 herum stieß das italienische Akkordeon zur Pariser Musikszene. Zunächst konkurrierten Cabrette und Akkordeon, doch bald verschmolzen sie zum typischen Sound des Musette-Stils.
2. Aufbau des Instruments
Um die Spielweise zu verstehen, hilft ein kurzer Blick auf die Konstruktion:
- Der Sack (Le sac): Aus Ziegen- oder Schafshaut, heute oft auch aus synthetischen Materialien, überzogen mit dekorativem Samt oder Brokat.
- Der Blasebalg (Le soufflet): Wird mit dem rechten Arm pumpt, um Luft in den Sack zu speisen.
- Die Spielpfeife (Le chanter / Le pied): Eine konische Pfeife mit einem Doppelrohrblatt (wie bei einer Oboe), auf der die Melodie gespielt wird.
- Die Bordunpfeife (Le bourdon): Eine Basspfeife, die einen konstanten Begleitton liefert. Bei der Cabrette ist sie oft direkt parallel zur Spielpfeife im selben Holzblock (Stock) verbaut, wird aber von vielen Spielern je nach Stück auch stummgeschaltet.
3. Spielweise und Charakteristika
Die Spielweise der Cabrette ist hochgradig dynamisch, rhythmisch und virtuos.
Die Luftkontrolle
Da die Luft über einen Blasebalg und nicht mit dem Mund zugeführt wird, muss der Spieler eine synchrone Koordination entwickeln: Der rechte Arm pumpt Luft in den Sack, während der linke Arm den Druck auf den Sack reguliert, um einen absolut gleichmäßigen Ton zu erzeugen.
Fingertechnik und Verzierung (Ornamation)
- Die Appoggiatur (Vorschläge): Da der Luftstrom bei einer Sackpfeife nicht wie bei einer Flöte durch den Atem gestoppt werden kann, trennen Cabrette-Spieler aufeinanderfolgende gleiche Töne durch extrem schnelle Vorschlagsnoten (Triller, Chirps oder Flaps).
- Offene vs. geschlossene Griffweise: Die Cabrette wird in der Regel mit einer weitgehend offenen Griffweise gespielt, was schnelle, fließende Melodieläufe ermöglicht.
Rhythmus und Repertoire
Die Cabrette ist ein reines Tanzinstrument. Die Spielweise ist extrem akzentuiert, um den Tänzern den Takt vorzugeben. Das klassische Repertoire umfasst:
- La Bourrée: Der Nationaltanz der Auvergne im - oder -Takt, der sehr kraftvoll und stampfend interpretiert wird.
- Walzer, Polkas und Mazurkas: Spätere Einflüsse aus der Pariser Musette-Zeit.
Moderne Renaissance: Nach einem Rückgang im frühen 20. Jahrhundert erlebt die Cabrette seit den 1970er Jahren im Zuge des Folk-Revivals eine starke Renaissance. Heute wird sie sowohl in der traditionellen Folkmusik als auch in modernen Weltmusik-Projekten eingesetzt.
Amadinda > aus Uganda
Das Amadinda ist weit mehr als nur ein "Xylophon-ähnliches" Instrument; es ist das Herzstück der Hofmusik des ehemaligen Königreichs Buganda (im heutigen Uganda). Es besticht durch ein faszinierendes Zusammenspiel von Rhythmus und Mathematik.
1. Bauweise und Material
Klangstäbe: Es besteht meist aus 12 schweren Holzstäben, die traditionell aus dem Holz des Padauk-Baumes oder der Schirmakazie gefertigt werden.
Lagerung: Die Stäbe liegen lose auf zwei frischen Bananenstämmen, die als Resonanzkörper dienen.
Fixierung: Lange, dünne Holzstifte werden zwischen die Stäbe in den Bananenstamm gesteckt, damit sie beim Spielen nicht verrutschen.
2. Die Spieltechnik:
Das "Verzahnen"
Das Besondere am Amadinda ist nicht das Instrument selbst, sondern die Art, wie es gespielt wird. Meistens sitzen sich zwei oder drei Spieler gegenüber
Omuuko (Der Starter): Er spielt ein rhythmisches Muster in Oktaven.
Okunaga (Der Beantworter): Er spielt ein zweites Muster in den Lücken des ersten Spielers.
Okukoonera (Der Binder): Der dritte Spieler spielt oft nur die obersten zwei Stäbe und verstärkt die Töne, die durch die Verzahnung der ersten beiden Spieler entstehen.
Adungu (Bogenharfe) > aus Uganda
Die Adungu ist eine traditionelle Bogenharfe, die vor allem mit dem Volk der Alur im Nordwesten Ugandas (West-Nil-Region) in Verbindung gebracht wird, sich aber mittlerweile zu einem beliebten nationalen Symbol entwickelt hat und im ganzen Land gespielt wird.Was macht die Adungu so einzigartig?
Das Design: Sie besteht aus einem gebogenen Holzhals (dem Bogen), der an einem ausgehöhlten Holzkorpus befestigt ist, der mit Tierhaut (meist Ziegenhaut) bespannt ist. Die Saiten verlaufen vom Hals hinunter zum Korpus.
Die Stimmung: Traditionell wurden Adungus pentatonisch (fünf Töne) gestimmt, moderne Versionen sind jedoch oft diatonisch (wie ein westliches Klavier) gestimmt, sodass sie zusammen mit Gitarren und Keyboards gespielt werden können.
Merkmal Adungu; Bogenharfe (Arched Harp)
Saitenanzahl; Meist 7 bis 9 (variiert je nach Größe)
Bauweise; Ein gebogener Hals, der aus dem Korpus ragt.
Klangcharakter; Hell, harfenartig, sehr vielseitig.



